2011 startete unter der Organisation von „agens e.v.“ die Aktion „400“. Bei einer Demonstration in Berlin, trafen sich Väter und auch Mütter, um auf das Schicksal der Trennungskinder in Deutschland aufmerksam zu machen. Und selbst der „Focus“ griff die Aktion „400“ mit Interesse auf.

Bei der Demo vor dem Brandenburger Tor kamen Eltern aus ganz Deutschland zusammen, um durch das Niederreißen einer Mauer aus 400 ‚Steinen‘ – davor die Kinder, dahinter die Eltern – auf das Schicksal der Trennungskinder in Deutschland aufmerksam zu machen.
 
Eben, weil diese Zahl einfach monströs ist: Denn es handelt sich um 400 Trennungs-Kinder, die jeden Werktag per Gerichtsbeschluss zu Halbwaisen gemacht werden. Und das sind aber ’nur‘ die durch Scheidung betroffenen. Insofern dürfte die Dunkelziffer wohl wesentlich höher liegen.

Und genauso wie man auf die (um mal eine andere Zahl zu nehmen) zwölf (12!) Schulklassen jeden Tag, versuchte hinzuweisen, die unter den Trennungen der Eltern leiden müssen, genauso so schnell verschwand der erwünschte Effekt. Denn: Seitdem hat sich überhaupt nichts geändert, wie an einem Buch gleich dargelegt werden wird.

Trennungen und Scheidungen können wohl kaum verhindert werden; diese sind Bestandteil der heutigen Gesellschaft. Aber man könnte für ein gerechteres Familienrecht und für mehr Aufmerksamkeit; für und auf die Belange von Trennungskindern sorgen. Dennoch: passiert ist bis heute nichts!

Abgeliebt, abkassiert und abgeschoben

Mit der Aktion „400“ traten aber auch die entsorgten Väter für mehr Rechte ein. Es ging nicht, wie der Feminismus gerne behauptet, um Machtfülle oder deren Ausweitung, sondern um gelebte Elternschaft. Und diese kommt letztlich auch den Kindern zugute, von denen jedes zweite betroffene Kind innerhalb der drei Jahre, die auf eine Trennung der Eltern folgen, den Kontakt zum jeweils anderen Elternteil verliert.

Wer dieses Thema negiert und gleichzeitig die Alleinerziehendenmodelle als Errungenschaft unserer Gesellschaft darstellt, handelt nicht fürsorglich! Solche Politik ist kurzsichtig, ideologisch verblendet und führt den gerne genommenen Begriff des „Kindeswohls“ vollkommen ad absurdum.

Etwa im gleichen Jahr begann der nun vorgestellte Autor mit dem Schreiben des Buches „Deutschland, Deine Väter …  – ausgesperrt und abkassiert –

Und er musste aus eigener ‚Praxiserfahrung‘ feststellen, dass sich bis heute immer noch nichts verändert hat! Bewusst wird in dem Buch die ganze Bandbreite derjenigen Elternteile – nämlich der Väter – dargestellt, wie sie Trennungen erleben müssen: Neben hohen Unterhaltsforderungen, allzu oft auch unter der zu akzeptierenden Tatsache, dass sie gleichzeitig zum ‚Zahlesel‘ und ‚Besuchsonkel‘ abqualifiziert werden.

Wenn sie denn ihre Kinder überhaupt zu sehen bekommen.

Das Buch endet mit genau 400 Seiten. Die Zahl „400“ soll(t)e als Symbol dafür gelten, das wir ganz und gar nicht in einem familien- und kinderfreundlichen Land leben und das Jugendämter, Familiengerichte und sonstige Helfer, leider meistens keine tatsächlich helfen wollenden Institutionen sind.

So sieht also die Realität in Deutschland aus, wenn der Vater Pech hat und die Mutter eben nicht will – oder boykotiert.

Aus einer, zunächst persönlichen Sicht, beschreibt Andreas Puderbach seine Erfahrungen im Familien-, Umgangs- und Sorgerecht. Dabei wird das Thema PAS (Eltern-Kind-Entfremdung) ebenfalls behandelt, denn der Autor hat, obwohl er gerne möchte, keinerlei Kontakt mehr zu seinen Kindern, trotz dessen sie wohl  scheinbar nicht weit entfernt leben.

Und er beschreibt, wie das Unterhaltsrecht Väter in die Knie zwingt bzw. die Rigidität, mit der dieses (nicht nur) in Deutschland umgesetzt wird und neben einem seelischen Ruin auch einen finanziellen darstellen kann.

Im zweiten Teil seines Buches reflektiert er auch die juristisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und legt dar, warum die Situation für Papas in Deutschland eben so ist, wie sie leider nun mal ist.

Aber es ist kein jammerndes Buch, sondern zeigt ebenfalls auf, welche Optionen man in diesem Land hat und welche Vorgehensweisen sich anbieten. Das schreibt der Autor auch aus persönlichen Erfahrungen heraus.

Obwohl aus dieser selbst erlebten Sicht geschrieben, ist es dennoch auch ein Ratgeber für Trennungsväter, welcher viele Aspekte berücksichtigt. Unter anderem auch, wie „Kindeswohl“ in diesem Land definiert wird und was man in Trennungssituationen mit Nachwuchs beachten sollte.

Es geht doch auch um die Kinder.

Auf 400 gut recherchierten Seiten findet sich ein Zustandsbericht, der dem Umschlagbild nicht unähnlich ist – aber dennoch keine Hoffnungslosigkeit verbreitet. Im Grunde ein Muss für jeden Mann, der sich mit Kinderwunsch-Gedanken trägt und zumindestens vorgewarnt sein sollte durch diese Lektüre.

Und es ist in der Tat auch eine Mahnung an die Eltern, im Trennungsfall mit Kindern kooperativ zu arbeiten und nicht gegeneinander zu agieren. Denn letztendlich schadet man auch den Jungs und Mädchen, welche in einem solchen Triangulat aufwachsen müssen.

Nicht zuletzt wird damit gleichzeitig das Schicksal betroffener Kinder aufgezeigt.

Sehr lesenswert ist ebenfalls das Vorwort von Monika Ebeling dazu, denn es sensibilisiert für die sich daran anschließende Thematik.

„Deutschland deine Väter“ – kein Ruhmesblatt für Politik und Justiz.

Anm: Der Autor schickte in dem Begleitbrief zum Rezensionsexemplar auch den folgenden, nachdenklich machenden Satz mit:
 
Neben den Auswirkungen des „parential alienation syndrom“ (PAS), auch „Eltern-Kind-Entfremdungssyndrom“ genannt, sind die Kinder diejenigen, die dauerhaft Schaden nehmen. Forschungsergebnisse belegen dies mittlerweile zahlreich.


Nachtrag: „Oh, wie geil ist das denn!?“ Ein PAS-Kind über den Tod des Vaters:

„Vielleicht denken Sie jetzt, dass ich dazu gute Gründe hatte. Vielleicht hat mich mein Vater geschlagen, oder gar missbraucht. Keines von beiden. Tatsächlich weiß ich nicht mal, wie mein Vater eigentlich aussah, da meine Mutter alle Bilder, die ihn zeigten, aus den Fotoalben entfernt hat. Auch hat sie Briefe von ihm abgefangen, wie ich durch Zufall herausfand, da ich ein altes Schreiben von ihm fand, das meine Mutter nicht weggeschmissen sondern aufbewahrt hatte. Sehr erhellend.“

Nachtrag II: Der „Focus“ – „Welche Trennungskinder besonders leiden„:

„Die Angaben verglichen die Wissenschaftler mit der Lebenssituation der Jugendlichen und fanden heraus, dass jene Kinder, die nach der Trennung nur bei einem Elternteil aufwachsen, am häufigsten über psychosomatische Beschwerden klagten.“

„Jene, die nach der Scheidung abwechselnd bei Vater und Mutter lebten, zeigten sich weniger belastet.“

Vgl. dazu auch die „SZ“: „Psychosomatik – Leiden der Scheidungskinder„:

„Wenn die Eltern getrennte Wege gehen, leidet der Nachwuchs. Schlafstörungen, Übelkeit und Bauchschmerzen häufen sich. Eine wichtige Rolle spielt, wie Eltern sich nach der Trennung arrangieren.“

Nachtrag III: Der Autor beschreibt im Magazin Nicht-Feminist seine Gründe:

„Das war die „Hilfe“ die ich dort bekam. Also half ich mir selbst, indem ich anderen helfen wollte. All dies können Sie – mit etwas Glück – verhindern. Das Buch könnte ein Puzzlestein sein, der wichtig ist, zu begreifen, wo sich ein „nicht betreuendes Elternteil“ schnell befinden kann.“

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