So ähnlich lautet der Claim des aktuellen Spiegels zur neuen Reklame-Kampagne, die sich dort unisono so bezeichnet: „Keine Angst vor der Wahrheit“

In Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur dachte man sich solches wohl aus
– nur, um dann und anschließend die Realität wieder komplett auszublenden.

Nicht nur, dass sich dieses so genannte ‚Nachrichten-Magazin‘ als besonders tapfer hinstellen möchte, nein, es bat ebenfalls die Leser, woanders auch schon mal gerne als „Schleppscheiße“ bezeichnet, sich am Brainstorming der Redaktion zu beteiligen.

Der Chefredakteur des „Spiegel“, Cordt Schnibben, rief zum Beispiel dazu auf, die Journaille durch seine Leser retten zu lassen – und bat eindringlich um ein Feedback der Leser zur aktuellen Situationseinschätzung unserer Medien:

„Schreiben Sie mir, was wir besser machen sollen, loben Sie, wenn es nicht anders geht. Hundert von Ihnen kann ich zu einem Leser-Dinner einladen, so weit reicht das Geld der Treueprämie, in unser Haus-Restaurant, in dem unser Koch Alfred Freeman für Sie anrichtet.“

Und der Reporter und Adlatus, Florian Harms, legte zur diesbezüglichen Selbstbeweihräucherung (oder: Bankrott-Erklärung) noch ein Brickett „Olibanum“ oben drauf:

Guter Journalismus macht keine Kompromisse

[..] Und es gehört selbstverständlich dazu, dass wir offen mit unseren Fehlern umgehen. Denn gegen die ist keine Redaktion gefeit, und als Leserinnen und Leser haben Sie das gute Recht, es zu erfahren, wenn in einem Text ein entscheidendes Faktum geändert wurde. Deshalb setzen wir eine Anmerkung unter Artikel, in denen eine Information nachträglich korrigiert wurde …

All diese Regeln müssten für gute Medien eigentlich selbstverständlich sein.

Na, selbstverständlich kamen dann und anschließend auch die Antworten, welch‘ „entscheidendes Faktum geändert wurde“. Zum Beispiel über die Berichterstattung des „Spiegel“ zu Gender-Mainstreaming, zur Quote, Männerabwertung in den Medien, zu verschwiegenen Katastrophen im Familienrecht, zu Feminismus und zur 23 Prozent-Lohnlüge, die Agens u.a. jüngst in einem Countdown (wer bietet weniger?) widerlegt hat.

Und es kamen Widersprüche zuhauf, unter anderem von Dr. Andreas Kraußer, Vorstand von MannDat e.V., Genderama und einigen anderen auch, welche sich allesamt mit Bedenken über den Zustand unserer Presseorgane äußerten.

Exemplarisch sei hierzu mal Lucas Schoppe dargestellt, der via seines Blogs „Man-Tau“ und per Mail, einen klar formulierten, differenzierten und sehr lesenswerten Beitrag zur Situation des Mannes, der Väter – und eben dem Stillschweigen der Medien, hierzu an Cordt Schnibben per eines Offenen Briefs geschrieben hat. Einen, den der Adressat wohl eher schnippisch ignorierte.

Denn er adressierte darin nicht nur die Verleugnung der Realität durch die Redaktionen, sondern auch die bewusste Verdrehung von Tatsachen bzw. die Beschimpfung der eigenen Leserschaft als „opportunistische Arschlöcher„:

Ein Brief an einen deutschen Journalisten

Vor einer Woche forderte der Spiegel-Autor Cordt Schnibben seine Leser auf, ihm zu schreiben, was Journalisten besser machen sollen. Ich bin dieser Einladung einfach einmal gefolgt.

[..]Die große Mehrheit der heutigen Journalisten sieht ihre Aufgabe offenbar eben nicht darin, mit ihren Lesern neue Gegenden zu erkunden – sondern ganz im Gegenteil darin, den Lesern Grenzen zu ziehen, ihnen deutlich zu machen, wie sie die Welt sehen sollten und wie nicht …

[..]Ich wünsche mir sehr, dass viele Journalisten zu einem demokratischen Idealismus zurückfinden. Für deutlich wahrscheinlicher halte ich es allerdings, dass sie sich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zum Vorbild nehmen und irgendwann nach staatlichem Beistand rufen.

[..]Dieser in Konventionen vertüdelte und dabei zugleich herrisch austeilende Journalismus ist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gleichsam ganz zu sich selbst gekommen. Er muss niemanden als Kunden behandeln und von der Qualität seiner journalistischen Arbeit überzeugen. Stattdessen sind einfach alle Menschen per Gesetz verpflichtet, ihm diese Arbeit abzukaufen, ob sie es nun wollen oder nicht …

Nun ja, eine Empfehlung für ein gemeinsames Mittagessen in der Spiegel-Kantine (oder nennt sich das dort Lounge?) brachte ihm dieser Brief wohl nicht ein. Ganz im Gegenteil, er bekam nicht mal ein Schnittchen gereicht von Herrn Schnibben, der sich wohl doch eher so etwas wünschte, was er ja auch vorher unterschwellig  kundtat: „.. loben Sie ..“

Der Medienwissenschaftler Arne Hoffmann hat nun aktuell die Reaktion der Redaktion und die Filterung durch letztgenannte Instanz beobachtet und kommentiert es so:

Cordt Schnibben blendet Anliegen der Männerbewegung weiter aus

… Wie ich weiß, gab es außer von mir auch von anderen Männerrechtlern Rückmeldungen, die die Einseitigkeit des SPIEGEL beanstandeten, sobald es um die Geschlechterdebatte geht. [..] In einer Zusammenfassung der Leserreaktionen auf Schnibbens Aufruf im aktuellen SPIEGEL (hier nur im Anriss online) findet man nichts davon. Jeder Mann, der sein SPIEGEL-Abo irgendwann entnervt kündigte, hat die richtige Entscheidung getroffen.

„Spiegel-Leser wissen mehr“, so lautete mal der Slogan vom Verlag. Das ist lange her und heute nahezu als prähistorisch zu betrachten. Denn leider muss man wohl feststellen, dass es den Herren Schnibben und Harms, nebst angeschlossener Redaktion an Folgendem mangelt, obwohl diese Journalisten doch selbst so bedürftig zu sein scheinen:

Dem „Spiegel“ fehlt der Mut zur Wahrheit!

So gesehen kein Wunder, dass Schnibben feststellt:
„Der Spiegel-Leser war für mich immer ein Gespenst“

Angst vor der Wahrheit – oder ist nun Geisterstunde?
Hadmut Danisch hat dazu & u.a. auch seine Meinung

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