Endlich konnte der Feminismus mal so richtig zeigen, wie sehr er sich auch für die Männer einsetzt (das war jetzt Ironie). Wegen einer verlorenen Wette, putzte ein Mann in einer WG vor Frauen nackt die Wohnung – und das sei ganz schlimm und einen #Aufkreisch wert; fand zumindest eine Fragen-Sie-Frau-Schwarzer-Bewegte im feministischen Tante-Emma-Laden.

Die „Welt“ griff anschließend dieses ‚weltbewegende‘ Thema diesseits jenes radikalfeministischen Nischenblattes auch sofort auf:

Auch Männer sollten nicht nackt putzen müssen

„Emma“-Leser dürfen Alice Schwarzer alles fragen. Was hält sie von Männern, die vor Frauen nackt putzen? Ihre Antwort überrascht nicht. Ihre Respektlosigkeit emanzipierten Nacktputzern gegenüber schon!

Eines der informativsten und unterhaltsamsten Formate der deutschen Magazinlandschaft ist die Rubrik „Ask Alice“ in Alice Schwarzers Sprachrohr „Emma“. Vor allen Dingen Leserinnen können dort der Grande Dame elle-même die Fragen stellen, die sie sich selbst niemals beantworten können. Diese Woche möchte die 25-jährige Studentin Lisa etwas wissen.

„Liebe Alice“, setzt Lisa an und schildert ihr wirklich besorgniserregende Zustände. In ihrer 8er-Frauen-WG (Überbelegung des Wohnraums?!) habe neulich ein junger Mann nackt geputzt. Und zwar weil dieser eine Wette verloren hatte. Er habe freiwillig die Küche der WG geputzt, während die Bewohnerinnen seine Arbeit stehend beobachteten. Lisa fand das demütigend und respektlos.

Au weia! In dieser 8-er-WG, nur mit Frauen besetzt, putzt ein Mann nackt und Lisa wittert Sexismus. Der Mann hat einfach nur seine Wettschulden eingelöst und es wohl mit Humor genommen. Wer weiß, was wohl losgewesen wäre, hätte eine der Frauen sein Auto im Nackt-Modus reinigen müssen? Wie auch immer, „Emma“ fand das nicht komisch und pflichtete Lisa bei.

Und, wer weiß schon, wie überlegen sich die anderen Mitbewohnerinnen fühlten, als sie dem, bis auf die Haut ausgezogenen ‚Sklaven‘, nach bester Gutsherrinnenart bei der Arbeit zuschauen durften.

Fakt ist: Er hat es wohl genauso freiwillig getan, wie eventuell nackte Frauen mit shampoonierten Brüsten den Kühlergrill eines Ford-Taunus bearbeiten würden bzw. solches auch bezahlt als Dienstleistung anbieten.

Der Autor des Artikels in der „Welt“, Frédéric Schwilden, kommentierte daher zurecht und folgerichtig:

„Alice Schwarzer selbst erhöht sich über die Freiheitliche demokratische Grundordnung. Wahrscheinlich findet sie das „sogar geil“. Sie kategorisiert nur in oben und unten. Was wohl ihr beschränktes Sexualverständnis illustriert. Denn eigentlich ist das ja so in der Liebe: Es gibt kein oben, kein unten, kein hinten und vorne, in der Liebe ist man schwerelos den Sternen nah. Sogar als Putzmann in der Küche einer 8er-WG.“

Und er scheint damit mehr von Gleichberechtigung verstanden zu haben, als alle dauerempörten Lisas und Alice‘ dieser Welt. Auch „Genderama“ widmete dem ganzen Sommerloch-Theater ein sarkastisches Augenzwinkern:

„Vor einigen Wochen interviewte mich eine Frauenzeitschrift („Julia“ oder „Lisa“ oder so) am Telefon darüber, ob ich Männer, die sich aus finanziellen oder erotischen Motiven als Nacktputzer und Hausdiener anböten, nicht als Diskriminierungsopfer sähe. Sehe ich natürlich nicht. Meine Interviewerin fand das witzig, weil sie zu demselben Thema auch Feministinnen befragt hatte, die darin sehr wohl eine Diskriminierung sahen und die armen Männer bedauerten. Weil es offenbar keine 150 anderen Bereiche gibt, wo das angebrachter wäre.“

Nur 150? So möchte man fast fragen, angesichts der drängenderen Probleme, denen Männer hierzulande im Familien- und Strafrecht, im Gesundheits- und Gemeinwesen, in der Lebenserwartung und medialen Diskriminierung ausgesetzt sind!

Aber vielleicht empört sich ‚Lisa‘ ja auch deshalb so, weil es das Einzige ist, was sie offenbar versteht – und somit wunderbar auf sich selbst projizieren kann …

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