Ging es im ersten Teil noch um den unberechenbaren Wähler und die mögliche Unterwanderung gewisser und gefährlicher Parteien durch U-Boote, so handelt es sich jetzt, im abschließenden Kapitel vom Gast-Autor „Westerwald-Bote“, um An- und Einsichten aus Amerika. Hier nun seine weiteren Betrachtungen:

„Die Enttäuschten.“ – Teil II

Oder: Der Weg des kleines Bürgers zum unberechenbaren Wähler

[..] Schauen wir in die USA; die allem Anschein nach ja schon einen Schritt „weiter“ ist:

Ein unsympathischer Milliardär, der trotz mehrerer Pleiten es schaffte, seine Milliarden recht gut über die Runden zu retten, was einem insolventen Normalbürger nicht möglich wäre, wird US-Präsident. Trotz schlechter Umfragewerte! Trotz Demonstrationen! Sich mit Medien und Geheimdiensten anlegend, und trotz einer intellektuell unterirdischen TV-Show die er einmal betrieb; einer gegründeten Hochschule die keine ist bzw. war und der schlimmsten Frisur nach Julius Cäsar.

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Ein Feindbild also, das für eine Wahlniederlage eigentlich Garantie abgab. Wählbar für den dahinsiechenden Mittelstand der USA? Wählbar für diejenigen, die froh sein müssten, endlich einmal über eine Krankenversicherung verfügen zu können? Wählbar für diejenigen, die im Zuge der Finanzkrise Haus und Hof verloren und vorher animiert wurden, immer mehr Kredite aufzunehmen, die ihnen dann um die Ohren flogen? Ja – glaubt man den Medien – nicht einmal wählbar für eine Frau!

Wer sich so viele Fettnäpfe erlaubt, wird normalerweise nicht mal mehr Schaffner. Dieser „Typ“ wurde dieses Mal sogar Präsident? Also weshalb wurde er gewählt? Und von wem?

Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass Obama eine Enttäuschung war. Bush eine Enttäuschung war. Hillary eine Enttäuschung geworden wäre – und man sich deshalb sagt: „Mmh. Was soll bei Trump denn schon schlimmer werden?“

Wenn die Wähler vielleicht vieles nicht genau wussten, aber sie wussten genau, was sie nun nicht mehr wollten! Und die hier allseits gefeierte Hillary wollten sie nicht! Also legten sie sich scheinbar lieber einen bissigen Rottweiler vor den eigenen Kamin, als den überall kläffenden und zahlreichen  Tölen der Politik, die Wasser predigen und Sekt saufen, nochmals eine Chance zu geben.

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Schlagen wir den Bogen nun zu den Verbalentgleisungen eines Herrn Höcke. Verbalentgleisungen sind wir ja seitens eines Trump gewohnt. Wir betreten also bekanntes Gebiet.  Auch wenn Höcke sich nun missverstanden und -gedeutet fühlt. Auch wenn es tatsächlich so war: Höcke ist ein verbeamtetes Großmaul, der gerade seine Pension aufs Spiel setzt. Aber die AfD?

Nehmen wir den Trump Effekt als Beispiel und bedenken, dass Kohl eine Enttäuschung war und viele in rot-grün mehr Gerechtigkeit erhofften. Das Schröder sich dann als Genosse der Bosse entpuppte und eine Enttäuschung war. Das Merkel eine Enttäuschung ist und dass diese Enttäuschungen jetzt den Wählern einimpfen wollen, dass diese neue Partei – die AfD – sicherlich eine Enttäuschung werden wird…. Hä?

Und genau dieses Spiel scheint nicht mehr aufzugehen. Ob Trump eine Enttäuschung in den USA wird und ob die AfD eine Enttäuschung in Deutschland wird. Das wird sich rausstellen.

Nachdem man aber jahrelang Krieg gegen die Armen führte und Politik für die Banken machte, nachdem man ein EU-Bürokratiemonster schuf und eine Flüchtlingskrise, angefacht durch Kriege die der Westen zumindest mit verursachte, ist der Wähler es sicherlich gewöhnt, mit Enttäuschungen umzugehen.

Höcke ist nur ein Produkt des besserwisserischen und oftmals mit mangelndem Demokratieverständnis ausgestatteten Establishments. Höcke wird bald Geschichte sein. Eine Fußnote. Ob das mit seiner Partei so sein wird, mag bezweifelt werden.

Denn: Trump ist auch ein Produkt des arroganten Establishments. Und der hat letztendlich gewonnen.


Sehr empfehlenswert an dieser Stelle ist auch ein Gastbeitrag von Prof. Amendt bei „Agens e.V. – Die Miteinander„, der sich dabei ausserordentlich ziseliert mit den Imponderabilitäten und Wahl-Präferenzen bei Mann und Frau auseinandersetze:

Wer von beiden ist abschätziger gegenüber Frauen?

Der 45. Präsident der USA hat mittlerweile sein Amt angetreten. Die Enttäuschung auf der Verliererseite über den sicher geglaubten Sieg ist noch immer groß. Was vielen als Verrat an Hillary Clinton als einer Symbolfigur der Frauensache dünkt, bedarf der genaueren Betrachtung. Die Äußerungen  von Donald Trump über die Verfügbarkeit von Frauen – grab ’em by the pussy – hat im Demokratischen Lager nicht nur einen rituellen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Es hat die Gewissheit verstärkt, dass er sich damit das Genick gebrochen und den Sieg von H. Clinton unaufhaltsam gemacht habe. Es kam anders als gedacht.“

Sehr lang, sehr durchdacht und gerade deshalb auch äußerst lesenswert. Ich denke, Herr Amendt hat mehr, als nur den Nagel auf den Kopf getroffen, als er in seinem Artikel das Ganze geschlechterspezifisch auseinander nahm. Von daher: Eine absolute Leseempfehlung an alle, die heutzutage doch noch differenziert zu denken vermögen.

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