So, oder in dieser Art, liest man es immer, wenn neben dem „Volksleiden“ einer Depression über das Frauenleiden Migräne gesprochen wird. Und die Hauptopfer sind -so selbstverständlich- und wie immer: das weibliche Geschlecht.

Nun lässt sich zwar immer weniger deckeln, dass u.a. auch viele Männer unter Depressionen leiden, nur eben mit dem kleinen und nicht feinen Unterschied, dass bei Ihnen die Symptome gänzlich andere sind (wie z.B. eine erhöhte Aggressionslage, Alkoholmissbrauch, etc.), welche nicht als solche erkannt werden, da Männer ja nun mal so sind – also mithin die Dunkelziffer der unerkannten und nicht korrekt  diagnostizierten Betroffenen recht hoch sein dürfte. Experten sprechen hier schon teilweise von einer Gleichverteilung beim Sexus.

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MÄNNER LEIDEN LEISE

Dessen ungeachtet, bleibt es in den Medien und Postulaten der erhältlichen „Frauen-Gesundheitsberichten“ bei einer besonderen Zuordnung der Betroffenheit auf die Frau.

So auch hier, beim Generalthema Migräne – und mal ehrlich, wer denkt nicht zuerst daran, dass es sich hierbei um ein Leiden handelt, welches besonders die Femininen betrifft? Es ist eine Folge der jahrzehntelangen Penetrierung durch alle Bereiche, dass eben ein Großteil der Bevölkerung so denkt!

Und über Männer? Pah, die sollen sich mal nicht so haben, denn das bisschen Kopfschmerzen und gelegentliche Übelkeitsattacken sind ja sicherlich das Ergebnis des gestrigen Vollsuffs (wer saufen kann, der kann auch arbeiten …). Schließlich hat „das zottelige Nutztier“ Kerl vollumfänglich zu funktionieren und soll sich gefälligst nicht so anstellen – ein Indianer kennt ja bekanntermaßen auch keinen Schmerz …

Diesem grundsätzlich falschen Paradigma hat es die Gesellschaft zu verdanken, dass Männer still und leise vor sich hin leiden und im schlimmsten Fall in ihre Höhle zum Sterben kriechen. Wem das übertrieben vorkommt, der mag sich mal in einschlägigen Foren oder bei Berichten von Betroffenen informieren. Das Netz ist voll davon, man muss es nur finden, lesen und verstehen wollen.

CLUSTER-KOPFSCHMERZ (CKS) & MIGRÄNE

Wie schon beschrieben, ist die holde Weiblichkeit ja fälschlicherweise nicht nur von der Depression besonders häufig betroffen, nein, auch bei der Migräne führt diese die Opferliste mit hoher Signifikanz an. Und alle Bestrebungen von Forschung, Psychologie, Medien und Politik strengen sich besonders an, damit das auch ja so verhaftet bleibt.

Nur eine klitzekleine Reminiszenz konzediert man beim männlichen Genus: Den Cluster-Kopfschmerz. Es handelt sich hierbei um eine Sonderform der Migräne, die sich bei Männern allerdings, wie bei Depressionen ja auch, gänzlich anders zeigt und darstellt. Man spricht in diesem Zusammenhang übrigens auch (und nicht aus der Luft gegriffen) von einem „Selbstmord-Kopfschmerz“ bzw. „den schlimmsten Attacken, die ein Mensch aushalten kann, ohne das Bewusstsein zu verlieren“.

Schätzungen zufolge ist weltweit etwa jeder 1.000 Mann davon betroffen, Frauen ‚erwischt‘ es, gemessen am Anteil der Bevölkerung, nur marginal mit einem, etwa fünf bis 10 Prozent-Anteil aller Erkrankten. So kam auch der feministische „Stern“ u.a. nicht um eine diesbezügliche Anmerkung umhin:

Clusterkopfschmerzen
Die stechende Pein ist kaum auszuhalten

Es fühlt sich an, als würden sich Pfeile durch den Schädel bohren: Clusterkopfschmerzen übertreffen in ihrer Stärke sogar Migräneanfälle. Gegen die Schmerzschübe helfen nur spezielle Medikamente.

[..] Glücklicherweise ist die Erkrankung selten. Höchstens ein Promille der Deutschen leidet an den wiederkehrenden Attacken. Meist tauchen diese erst um das 30. Lebensjahr auf, können aber auch in jedem anderen Alter auftreten. Dabei trifft es größtenteils Männer

Man versuchte es im Bericht darüber zwar auf 25 Prozent der Frauen auszuweiten, aber das entspricht weder den wenig vorhandenen Forschungsergebnissen, noch den vielen Darstellungen von betroffenen Foristen in einschlägigen Foren. Und das, obwohl man gemeinhin unterstellt, dass Frauen ja wesentlich kommunikativer auftreten und achtsamer mit sich selbst umgehen.

Immerhin schafft der „Stern“ es hier ja, ein Artikelbild mit einem Mann zu platzieren, während der „Spiegel“ in seinem Diskussionsforum und Report wie selbstverständlich und mittels Ignorieren des realen Sachverhaltes, ein solches Foto prominent plakatierte:

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Und dies entgegen der tatsächlichen Verteilung auf die Geschlechter. Vielleicht, weil man unterschwellig die Bildaussage in den Köpfen der Leser implementieren möchte, dass es ja nicht die Männer seien …

SYMPTOME & DER LANGE WEG ZUR DIAGNOSE

Man schätzt, dass es ca. sieben (7!) Jahre dauert, bis ein Arzt die richtige Diagnose stellt – somit die Maskierung der Auswirkungen medikamentös beginnen kann. Und dies, obwohl es lediglich weniger Parameter bedarf, um den korrekten Befund zu erstellen (Anmerkung: Diese treten immer streng einseitig rechts oder links auf):

  • Rötung des Auges
  • tränendes Auge
  • ein hängendes Augenlid
  • laufende und/oder verstopfte Nase
  • Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichtes
  • Bewegungsunruhe (Umherlaufen, Wippen mit dem Oberkörper)

Um es ganz klar zu sagen: Bis dahin sind die Betroffenen mehr oder minder zweimal durch die Hölle und zurück marschiert. Manche werden berufsunfähig oder begehen am Ende Suizid – sehr zum Unverständnis des Arbeitgebers oder in der Allgemeinheit (mit Ausnahme der Nahestehenden).

Die Ursache der Krankheit ist bis heute unbekannt und daher nicht heilbar. Allerdings gibt es diverse Theorien dazu, welche den Umfang dieses Artikels jedoch sprengen würde. Wichtig ist nur der Hinweis, achtsam zu sein und auch im Umfeld Menschen gezielt auf CKS hinzuweisen, wenn diese Ähnliches berichten. Ein Beispielbild mag die strenge Lokalisierung noch mal verdeutlichen:

(© Landesverband West der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppen)

Umgangssprachlich könnte man die Symptomatik auch so, für Nichtbetroffene beschreiben. Es ist, als habe man gleichzeitig:

  • Sämtliche Nebenhöhlen (Stirn-/Nasen-/Kiefern) vereitert
  • Eine akut massive Mittelohrentzündung auf einer Seite
  • Karies im Endstadium auf oberen Zähnen (rechts oder links)
  • Höllische Schmerzen auf einer der beiden Schläfenhälften
  • Entzündeter Ober-Kiefer im Bereich des Kauapparates
  • Einseitig schmerzhafte Verkrampfung des Nacken

Dies sind keine dumpfen oder pochenden Schmerzen, wie u.a. nach einem Kater oder einem Stoß des Kopfes mit z.B. einer Wand oder einem anderen dumpfen Gegenstand, sondern sie sind stechend, reißend und die Attacken ziehen sich von 30 min bis zu 3 Stunden hin. Besonders schwer Betroffene können solche bis zu acht mal am Tag bekommen und das individuell perfide an dieser Krankheit ist, dass sie oft auch in der Nacht zwischen 2:00 und 3:00 Uhr einsetzt und somit jeden aus dem Tiefschlaf aufreißt. Man(n) ist also schutzlos ausgeliefert und kann daher auch keine rechtzeitigen Gegenmaßnahmen ergreifen, da die Attacke schon in der akuten Phase befindlich ist.

Ein Betroffener formulierte es einmal eindringlich (und wohl zutreffend) so:

„Es ist nicht so, dass man das Gefühl hat, zu sterben
– sondern man wünscht es sich regelrecht!“

Soweit also der medizinische Exkurs zum gern geäußertem Kommentar in diversen Medien: „Auch Männer haben (manchmal) Migräne“. Möge sich diese Einstellung nicht weiter durchsetzen, wie es bei der Depression schon geschehen ist.

Weiterführende Links:

Buchtipp zu Depressionen bei Männern:


Persönliches: Ich bin leider selbst davon betroffen, die Krankheit trat zum ersten Mal im Jahr 2000 (also vor 16 Jahren) bei mir auf. Und es dauerte tatsächlich ca. sieben Jahre, bis ich per Zufall die richtige Diagnose bekam und von einem Langzeit-Patienten eine hilfreiche Empfehlung für einen spezialisieren Neurologen.

Glücklicherweise tritt es bei mir nur episodisch auf, d.h. es gibt auch Zeiten der Ruhe, manchmal über ein paar Jahre – aber dieser ‚Dämon‘ scheint nur darauf zu lauern, dass ich mich in Sicherheit fühle, um dann mit aller Vehemenz loszuschlagen.

Wer sich also wundert, warum in den letzten vier Wochen keine Einträge von mir gekommen sind, hat nun die Erklärung dafür. Denn in solchen Tagen ist an eine Beschäftigung mit dem Thema Gleichberechtigung nicht mal im Ansatz zu denken.

Im Übrigen geht es mir hier nicht um eine Marginalisierung der Migräne oder eine Polarisierung der Geschlechter bei Depressionen, da es für alle, davon Betroffenen, sicherlich eine schwere Zeit ist und ich jedem, egal welchen Geschlechts, daher eine Gute Besserung wünsche.

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