Ich bekam mal den Hinweis, dass dieses Foto auf dem Pier oder ‚Laufsteg‘ etwas merkwürdig anmutet, vor dem Hintergrund dieses Blogs. Nun ja, das mag sogar sein, aber diese Anmutung ist auf dem zweiten Blick in meinen Augen nicht so, wie es sich im ersten Augenblick darstellen mag:

emannzer

Warum also nun dieses Foto als Wiedererkennungsfaktor? Da läuft eine einsame Frau in Lumpen und mit einem vollen Sack (voller Pfandflaschen?) der Kamera entgegen, während ihr ein Paar entgegenkommt, wo die Frau dem sichtlich betagten Mann unter die Arme greift.

Vor ihnen rollt ein behinderter Mann Richtung Unendlichkeit (Fluchtpunkt-Perspektive) und mit weitem Abstand nach vorn drei junge Männer, die offensichtlich auch ins ‚Nirvana‘ marschieren wollen.

Im Hintergrund rechts sieht man dann noch eine Gefängnisinsel, die nicht gerade einladend wirkt – und sicherlich auch nicht als dieses wirken möchte.

So weit, so merkwürdig? Ich denke nein, denn dieses Bild verdeutlicht im gewissen Maße die Zustände unserer heutigen Gesellschaft. Dabei ist das Foto mehr als 10 Jahre alt und wurde von mir seinerzeit in den USA gemacht.

WARUM ALSO DIESES BILD HIER?

Nun, zuerst wollte ich kein Standardfoto, sondern etwas ‚Eigenes‘. Und ich zog es vor, etwas zu nehmen, an dem ich die eigenen und persönlichen Rechte besitze, denn solch ein Schuss kann durchaus auch nach hinten los gehen, wenn man sich so manche Geschichten anhört; diesbezüglich.

Daher begab ich mich, in meinem Archiv, auf eine lange Suche, etwas zu finden, was eindeutig von mir stammt – und dennoch zum Kontext dieses Blogs passt. Das war ebenso schwierig, wie die Suche nach einem Namen, weshalb ich dem TrennungsFAQ dankbar bin, da die entscheidende Anregung von dort kam.

Zwischenzeitlich gab es auf einem Online-‚Leidmedium‘ ja dann auch die Aufforderung, „Emannzer“ zum Unwort des Jahre zu nominieren bzw. deklarieren. Ein etwas merkwürdiges Anliegen, aber es war so:

Nun ja, hat nicht geklappt, aus meiner (schmunzelnden) Sicht heraus, würde ich sogar sagen: Leider! Denn die anschließende Diskussion darüber hätte wirklich spannend werden können. So war es ja z.B. beim Opfer-Abo von Kachelmann auch.

Wie auch immer, zurück zu den Erläuterungen über, ich nenne es mal, „Das Merkwürdige“.

DARUM DIESES FOTO!

Ich hatte seinerzeit keine Planung diesbezüglich, aber ich wollte ein Abbild der, sich mir gebotenen, Realität in Amerika innerhalb einer Großstadt machen. Daher – und weil ich Fluchtpunktperspektiven liebe, stand ich ca. eine Stunde am Pier 39 des Fishermans Warf – und wartete auf den richtigen Moment. Ein sonniger Tag, im Rahmen aller Gegensätze war dies. Und dann: *klick*

Als ich während der Recherche darauf stoß, dachte ich nur: Das ist es, was auf den Blog kommen soll, da es den heutigen Zustand ziemlich gut zu reflektieren scheint, wie mir schien. Und das sehe ich auch heute noch so.

Nach langer Vorrede nun also meine Gründe dazu und eine Darstellung darüber, weshalb ich es für diesen Blog ausgewählt habe:

Die ältere Frau, die einem entgegenkommt, erinnert nicht nur an die Situation der heutigen Rentner (man sah früher nie Menschen, welche im Müll nach verwertbaren Dingen suchen mussten), sondern auch an solche Feministinnen, die sich sukzessive resigniert auf frustrierte Rückzugs-Gefechten -ohne jedes Argument- daher laufend befinden.

Der Mann im Rollstuhl, was soll man dazu noch groß sagen, im Kontext des heutigen Scheidungs- und Familienrechts? Er symbolisiert das, was aus Männern und Vätern werden kann, wenn diese in solch‘ eine Situation geraten und wie es endet, wenn man sie finanziell und seelisch auseinander genommen hat.

Die ‚Flaschensammlerin‘ und der ‚Behinderte‘ gehen fortan getrennte Wege und entfernen sich immer weiter voneinander. Es mag ein Sinnbild dafür sein, was passiert, wenn die vorherige gegenseitige Achtung und Unterstützung kaputt ist – und was aus beiden Menschen werden kann, wenn eine(r) den Anderen mit in seinen persönlichen Strudel zieht. Beide Seiten können dabei eigentlich nur noch verlieren.

Das, sich gegenseitig (unter)stützende Rentnerpärchen zeigt dagegen auf, wie in der Guten alten Zeit, der Mann und die Frau sich beidseitig halfen und mehr waren, als die Summe aller Einzelteile. Dies gemahnt an den sukzessiven Verfall von Familie und auch daran, wie sehr diese Werte zerstört wurden.

• Die drei jungen Männer im Hintergrund stehen für seine Nachfolger, die frohen Mutes voran marschieren (ins Nirvana; ich wiederhole mich) – und gar nicht sehen, dass kurz vor ihnen Alcatraz liegt. Dieses Gefängnis sehe ich als das, was die Perspektive junger Menschen männlichen Geschlechts ausmacht: Perspektivlosigkeit, obwohl der Horizont doch so unendlich scheint, die Grenzen so grenzenlos sind.

Der lange Steg (aka Pier) ins Nichts: Umgeben von Wasser (Medien, Politik und Political Correctness) mag den Weg aufzeigen, den diese Gesellschaft aktuell gehen muss. Er führt ins Nichts – aber soll man deshalb ins Wasser springen und dagegen ankämpfen? Nein, das geht, wenn überhaupt, nur gemeinsam statt Einsam. Gegen den Strom schwimmen ist heutzutage nahezu unmöglich.

Tja, soweit meine Erläuterungen zur Bildauswahl. Es gab noch einen anderen Anwärter darauf, den ich als „Feminismus im Exil“ umschreiben würde. Und dieser sah so aus – es ist übrigens eine Innenansicht von Alcatraz im EG.

Das war mir dann aber doch zu düster und fatalistisch. Abgesehen davon, hätte es in der hier geforderen Panoramadarstellung überhaupt nicht mehr funktioniert. So fiel es also unter den Tisch, obwohl ich es passend fand.

100 MEISTERWERKE?

Nun, mit Sicherheit nicht! Aber dies ist nun, in aller Deutlichkeit „Das Merkwürdige“. Mann muss genau hinsehen, wohin er geht und in was er (unwissentlich) hinein stolpern kann. Niemand klärt ihn darüber auf und, so nehme ich an, hat dieses auch nicht im Geringsten vor.

Mein Anliegen ist es, diese real vorherrschende ‚feministische Decke‘ zu durchbrechen – und jenseits einer Filterbubble für eine zumindest noch vorhandene Achtsamkeit auf sich selbst zu sorgen.

Soweit meine Erläuterung, warum es dieses Bild in dieser Form hier gibt. Deshalb existiert es, weil die Frage nach dem Warum entscheidend ist – und nicht, weshalb es ausgerechnet dieses Foto als Bannner gibt.

Das, als meine, natürlich subjektive Erklärung dazu.

Advertisements