Oder: Die methodische Sammlung von Daten gegenüber bloßen Behauptungen

Und wieder ein neuer #Aufkreisch, diesmal in der Wissenschaft. Zwei weibliche Blogger nahmen sich einer (angeblich diskriminierenden) Thematik an – und behaupteten, dass mänliche und weibliche Forscher beim Verfassen wissenschaftlicher Aufsätze unterschiedlich vorgehen und dieses dann auch so niederschreiben – und Letztere danach seltener veröffentlicht werden.

Das Alles schickten sie anschließend an einen Fachverlag, der das Ganze, zwecks Abdruck in seinem Magazin, zur Evaluierung an externe Experten weiterreichte.

Dieses Peer-Review-Verfahren soll nämlich sicherstellen, dass tatsächlich auch nur relevantes als Artikel im Fachblatt erscheint. Ein Vorgehen, dass im übrigen auch „Bild der Wissenschaft“ oder die renomierte Zeitschrift „Nature“ so einsetzt, um eine Falschveröffentlichung bestmöglich zu unterbinden.

Und dann kam er, der Schock für die beiden Bloggerinnen: Ihr Artikel wurde abgelehnt, was der „Spiegel“ momentan gerade auch skandalisieren möchte:

Abgelehnte Studie:

Macho-Gutachten empört Forscherinnen

Zwei Forscherinnen reichen eine Arbeit zur Begutachtung bei einem Fachmagazin ein – und bekommen eine mit frauenfeindlichen Sprüchen garnierte Ablehnung zurück.

Unter anderem nannte man für die Nichtveröffentlichung die folgenden Gründe; hier unter anderem im Original nachzulesen. Auf Deutsch liest sich das dann so:

„…suchen Sie sich noch ein oder zwei männliche Biologen“, heißt es in dem Kommentar. So ließen sich Interpretationen vermeiden, die sich von empirischer Evidenz hin zu „ideologisch geprägten Annahmen“ entfernten.

Nun, offenbar sind die Gutachter dieses Aufsatzes zu der Überzeugung gekommen, dass in der Naturwissenschaft Fakten zählen – und nicht (vermutete) feministisch ideologische Argumentationsketten – so darf man es laut der Begründung zumindestens annehmen.

Oder anders gesagt: Wenn ein Chemiker Moleküle und deren Reaktionen untereinander beschreibt, ein Biologe sich über Mitose und Meiose im Kontext der Umwelteinflüsse auseinandersetz, ein Physiker über Quantenmechanik resüssiert bzw. ein Informatiker darlegt, weshalb Binär-Informationen nun mal nicht hexadezimal im Prozessor ablaufen können, dann beweisen sie etwas, oder stellen zumindest eine These auf, die fachlich valide ist und nicht mit jedem Einwurf widerlegt werden kann.

MINT - frischer Atem fürs Depot

Echte Wissenschaftler beiderlei Geschlechts halten sich auch an diese Grundregel, dass das, was man behauptet auch (zumindest theoretisch) bewiesen und faktisch mit fundierten Daten plausibel dargelegt werden muss. Und sie schreiben es auch so nieder: Nüchtern und belegbar.

Aus diesem Grund dürfte Gender-Mainstreaming wohl niemals eine Wissenschaft werden, sondern auch, und gerade deshalb immer wieder nur ein sich selbst referenzierender Mechanismus, wo jede(r) auf jede(n) innerhalb dieser so genannten ‚Fachrichtung‘ verweisen wird, ohne jemals selbst auch nur die Mindeststandards an die eine oder andere Grundlagenforschung

– eben solche, welche in den so genannten MINT-Fächern (also Mathematik, Informatik, Natur und Technik) gefordert sind –

wenigstens mal im Ansatz als Äquivalent erfüllt zu haben.

Und offenbar waren die beiden Bloggerinnen auch nicht in der Lage, diese Basis mit ihrem Fachbeitrag abzudecken. Was macht der Spiegel nun daraus (?): Ein „Macho-Gutachten“, welches wohl erahnen lässt, welchen Duktus die beiden ‚Autorinnen‘ da hingelegt haben müssen, um solch eine Absage zu kassieren. Denn die Quellen wurden weder benannt, noch zitiert.

Insofern kann man nur erahnen, was da für „ideologische Annahmen“ im Widerspruch zur „empirischen Evidenz“ so zusammengeschrieben wurden.

PS: Lesenswert sind, wie üblich, die Kommentare zum Artikel von SPON.
Und Leser wiesen darauf hin, wie reißerisch die Absage übersetzt wurde.

Weiterführendes: „Wie Feministinnen Wissenschaft missbrauchen
Hadmut Danisch zu „Gender Studies: Inhalte verzweifelt gesucht

Update: Der ’sexistische‘ Reviewer wurde aktuell zügist entfernt

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