Auf dem Blog „Geschlechterallerlei“ nimmt sich der Autor Gerhard der Thematik Arbeitslosigkeit und Hartz IV an. Am Beispiel einer „Faserpiratin“, welche als Jasna Strick anonym bleiben möchte (und die als „Tugendfurie“ twittert), betrachtet er einen aktuellen Artikel der Zeitung „Süddeutsche“:

„… Aber eigentlich fasse ich es immer noch nicht. Überprivilegierte Genderistin mit durchschnittlichen Abschluß im Orchideenfach und zweifelhafter Selbstdarstellung im Netz findet mal wieder an den Haaren herbeigezogene Gründe, warum die Gesellschaft so schlecht zu ihr ist. Dabei ist sie doch schon seit ein paar Monaten auf der Suche“

Männern hätte man wohl den *mimimi* Finger gezeigt, ‚hochqualifizierten‘ Germanistinnen tut man das aber eher nicht an.

In einem langen und lesenswerten Kommentar, beschäftigte sich @crumar damit und ihm seien daher auch die nachfolgenden Zeilen gewidmet, denn es sind seine eigenen:

„Das Problem ist nicht Frau Strick alleine, das Problem ist m.E. ein tatsächlich strukturelles – nur anders, als es Feministinnen wahr haben wollen.

Frauen haben sich in ihrer Studienwahl in den letzten 20 Jahren nicht gravierend geändert.

Die noch in den 90ern Optimismus verbreitenden Zahlen bspw. an Erstsemesterinnen für das Studienfach “Informatik” sind bereits seit mehreren Jahren wieder rückläufig.

D.h. sie ergreifen stumpf ein Studium, welches an den Erfordernissen des Arbeitsmarkts vorbei geht – und das sagt nicht der böse Maskulist crumar, das sagt das Arbeitsamt.

Das Problem an dieser Studienwahl ist jedoch tatsächlich grundlegender, weil sich dahinter zwei Ideologien befinden, deren Auswirkungen auf das eigene Denken sich gerade junge Feministinnen schlicht nicht stellen wollen:

1. In einer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft ist das Projekt “Selbstverwirklichung” ein exklusiv weibliches. Jedem Mann hingegen werden frühzeitig (gerade von Frauen!) klar gemacht, das a. er seine Reproduktion gefälligst selbst und eigenständig zu gewährleisten hat. Demnach wird er ein Studium aufnehmen, mit dem er sich zumindest selber ernähren kann.

Und b.: darüber *hinaus* gezwungen ist bzw. sein wird, eine Familie zu ernähren.

Der eigentliche Clou ist nicht, dass Männer eine Familie zu ernähren haben, sondern die Gesellschaft macht Männern klar, sie haben von der Gesellschaft ihre *individuelle Reproduktion* nicht zu erwarten.

Das ist ihr eigenes, individuelles Problem und für dieses tragen sie die alleinige Verantwortung.

Kurz: Der Clou ist a. und nicht b. – in der Regel wird dies in einer Diskussion unter den Tisch fallen.

Weil die bürgerlich weibliche Ideologie eine *weibliche Eigenverantwortung* für die eigene Reproduktion nicht kennt, kommt Frau Strick auf die Idee, “die Gesellschaft” hätte versagt.

Was ihr als kritische Haltung erscheint, ist aber einfach nur die Wiedergabe weiblich/bürgerlicher Ideologie. “Irgendwer (es darf hier gender frei geraten werden) wird mein zukünftiges Leben finanzieren.”

Symptomatisch für die zu Grunde liegende bürgerlich/weibliche Ideologie und die Haltung dieser Studentinnen ist, bis kurz vor dem Ende des Studiums noch nicht einmal eine *Idee* einer zukünftigen Gehaltsvorstellung entwickelt zu haben.

Wer so verfährt, hat *praktisch* – also im *Gegensatz* zur vorgetragenen “progressiven” oder “egalitären” Haltung – weder ein Interesse an einem zukünftigen familiären “burden-sharing”, noch ist sie in der Lage das eigene Leben zu finanzieren.

Männer sollten m.E. zu dem männlichen Modus zurückfinden, Frauen nicht nach Worten, sondern nach ihren Taten zu beurteilen.

Diese Frauen sind faktisch auf materielle Transfers der Männer in Partnerschaften oder der Gesellschaft (was wiederum auf Männer hinausläuft) angewiesen.

D.h. die ökonomische Abhängigkeit der Frau hätte vor allem ein Geschlecht mit Recht zu bejammern und die ökonomische Selbstständigkeit dieser einzufordern: Männer.

Nur ist in der bürgerlich-feministischen Ideologie *selbst verschuldete* Unmündigkeit kein individuelles Problem von Frauen, sondern Produkt einer imaginierten Diskriminierung der Männer = der patriarchalen Gesellschaft. Selbst wenn diese Frauen durch eigenes Handeln zum Problem geworden *sind*, so *hat* damit und dennoch die Gesellschaft ein Problem, die als Ursache für das individuelle Problem identifiziert werden kann.

Aus den oben angeführten Gründen ist es völlig unmöglich, hier die Geschlechter zu tauschen.

2. Das weibliche Projekt “Selbstverwirklichung” hat sich auf unselige Art und Weise mit dem sozialdemokratisch orientierten “sozialer Aufstieg durch Bildung” verbunden.

Eine solche Haltung findet sich ironischerweise bei triumphierenden Feministinnen wie Rosin, die das “Ende der Männer” beschwört, weil in den USA derzeit wesentlich mehr Frauen studieren als Männer. Das Problem an den Jubelperserinnen in den Medien ist, sie fragen nie nach, *was* denn eigentlich studiert worden ist.

Ein Frau mit Master-Abschluss bspw. in “gender studies” generiert in den USA einen locker 6-stelligen Betrag an Studienkrediten; der aktuelle Katzenjammer besteht darin, dass die solchermaßen “hoch qualifizierten” Frauen keinen Job auch nur mit *Aussicht* auf Rückzahlung dieser Kredite erhalten.

Das Problem einer “Qualifikation” ist, es erweist sich erst auf dem Arbeitsmarkt, ob diese individuell verwertbar ist – das spricht für die Nachfrage nach einer Qualifikation. Existiert diese Nachfrage nicht, dann war die Investition in die Qualifikation “Master” offensichtlich ein Fehlschlag.

Der crash war vorauszusehen und es war völlig unverantwortlich, diese jungen Frauen ins offene Messer hineinlaufen zu lassen.

Das aktuelle (mediale) Problem ist, es wird so getan, als sei “Master” gleich “Master” – als wäre mit dem Titel an sich, der Qualifikation an sich ein Anspruch auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz verbunden. Aber nur wenn man von der *fachlichen* Qualifikation abstrahiert, ist das Gejammer um die “Diskriminierung” überhaupt haltbar. Als wäre ein Abschluss als Elektroingenieur mit dem einer Germanistin vergleichbar, als gäbe es einen vergleichbaren gesellschaftlichen Bedarf für beide.

Mit zwei Dingen haben die Erfinder des Konzepts “Selbstverwirklichung” und “sozialer Aufstieg durch Bildung” nicht rechnen können: Dass Millionen von Frauen beides in Anspruch nehmen würden und für realisierbar halten. Nämlich beides gleichzeitig und beides, ohne sich auch nur im Geringsten *ändern* zu müssen.

D.h. “Selbstverwirklichung” war ursprünglich gedacht für Frauen einer extrem schmalen soziale Schicht und setzte einen Mann voraus, der dies zukünftig finanzieren würde und nicht als Massenphänomen.

Von jungen Frauen die alle haargenau das Selbe studieren – wie auch schon ihre Mütter.

Problem ist, seit ihre Mütter studiert haben, hat sich die Zahl der Studentinnen wenigstens verdoppelt, wenn nicht sogar vervierfacht.
Und damit konkurrieren massenhaft Frauen mit sehr guten Abschlüssen in faktischen Frauenstudiengängen um eine überschaubare Stellenanzahl auf dem Arbeitsmarkt.

Aufschlussreich an dem Artikel von Frau Strick ist, diese Geschlechterkonkurrenz wird ausgeblendet, weil es eine Binnenkonkurrenz – unter Frauen – ist.

Genau deshalb muss das Patriarchat schuldig sein – sonst wäre die Mitbewerberin ganz einfach besser gewesen.

Die immer Männern zugeschriebene Haltung der “Verhaltensstarre bei verbaler Aufgeschlossenheit” (die nachweislich falsch ist), hier kann man sie bei Frauen in Reinkultur erleben. Aber nur Frauen haben einen feministischen Ausredenkalender parat, der per default individuelles Fehlverhalten als gesellschaftliches Problem umdefinieren kann.

Und medial (in der “SZ”, in der “Zeit”, auf “SPON”) wird diesen jungen Frauen breiten Raum gegeben, sich von Selbstbetrug zu Selbstbetrug zu hangeln. Dieser Vorgang selbst ist nur mit einer internalisierten Feigheit a la “making women nod” oder mit einer geteilten bürgerlich-feministischen Grundüberzeugung zu erklären.

Völlig verlogen, zynisch und verantwortungslos.“

  • Nachtrag [emannzer] Auch der Pelz-Blog hat sich mit Jasna beschäftigt
  • Und Blogger Asemann hat ebenfalls einen guten Beitrag dazu geschrieben
  • „Don Alphonso“ setzt sich mit der Anklage dieser Piratin Strick auseinander
  • Im  Blog von Hadmut Danisch wird diese  Radikalfeministin auch diskutiert
  • Die ‚Autorin‘ Jasna -Faserpiratin- Strick jammert derweil vom Shitstorm
  • Das Magazin „eigentümlich frei“ machte sich ebenso Gedanken darüber
  • Der Blogger Aranxo auf „Geschlechterallerlei“ zu einem Vortrag von ihr
  • Und Tante Jays Café ‚würdigt‘ sie im Beitrag „Kindergartenfeminismus
  • Das Magazin „Nicht-Feminist“ berichtet über ihr „VHS-Engagement
Advertisements