Oder: Ein Indianer kennt keinen Schmerz und ist dennoch verletzlich

Könnte man also diese beiden Gegensätze eventuell nicht mal besser in ein Buch packen, um dabei aufzuzeigen, wo der Haken in unserer Gesellschaft liegt? Karl May hat es wohl mal versucht (im Kontext seiner Zeit). Und heute:

Bücher über die Befindlichkeiten von Frauen – die gibt es gefühlt zig-millionen-fach – und sie liegen prägnant im Schaufenster der Tiefkühltruhe unserer Buchhandlung zur Präsentation und zum Verkauf bereit.

Aber wo steht der Mann, so er denn überhaupt mal eine Erwähnung erhält?

  • Er ist eben „Ein Fehlgriff der Natur“
  • Ein richtig toter „Märchenprinz“
  • Und „Sternzeichen Scheißkerl“

Kurzum: Er steht nicht, sondern fühlt sich meist als Etwas (was man ihm per Gesellschaft überstülpte), das irgendwie minderwertig, unempathisch – und auch sonstwie nicht zur Teilhabe in der Gesellschaft fähig ist. Halt irgendwas Minderbemitteltes, und dieses tagtäglich aufzeigend bekommend, dass sie auch u.a. chromosomal zu nichts mehr zu gebrauchen sein scheinen. (Um mal noch die ‚mildesten‘ Platitüden zu erwähnen, welche man mit Häme über das XY-Geschlecht ergießt).

Und dennoch: Diese(s) ‚Alien‘, zu welchem ‚frau‘ Männer abwertend stilisieren möchte, soll für sie trotzdem viele Attribute haben – und zwar nur für sie damit o.g. Weltbild und ihr Gefühl stimmt? Denn er soll gefälligst:

  • Ein Fels in der Brandung sein,
  • Einfühlsam und dennoch hart,
  • Unverwundbar und ungestüm?

Kurzum: Etwas, dass sich zwischen Utopia und Science Fiction bewegt. Aber etwas, dass die Seele von Männern vollkommen außen vor lässt – und bisher auch nicht gezwungen war, diesen Standpunkt mal zu überdenken. Denn im Gegenteil: Die Sorgen und Nöte, Hoffnungen und Wünsche, Vorhaltungen versus Bedürfnisse, die wird und werden seit Jahrzehnten ignoriert – und das exklusiv nur bei Männern!

Damit zurück zum Betreff und dem Subtitel des Indianer-Vergleichs. Denn der Autor Gunnar Kunz hat ein aktuelles Buch geschrieben, welches die Welt mal aus Sicht des Mannes beschreibt. Er ging und schrieb dafür einen besonderen Weg.

Ein Buchtipp

Und er machte aus der Komplexität des Mannes etwas, was Männer eben tun: Er betrachtet dieses Top-Dow und schrieb dazu Einzel-Themen und Geschichten, welche er gleichfalls reflektorisch betrachtet.

Kurzum: Er schrieb ein Buch über die Seele der Männer in Kurzgeschichten

Und diese sind nicht nur lesenswert, sondern sollten auch zum Nachdenken anregen. Denn gerade in Zeiten von Quoten, Diskriminierung und Abwertung gibt es Standpunkte, die sich (und vor allem) auch mal ‚die‘ Frauen durchlesen sollten. Männer sowieso, so sie noch nicht verstanden haben, wohin ihre Reise gefälligst zu gehen hat.

Und er analysiert dabei kritisch und mal eben „en-passant“ Dinge, die den meisten heute gar nicht mehr bewusst sind. Aus welchen Gründen auch immer, solches die vielen Menschen über sich ergehen lassen. Einen authentischen ‚Beigeschmack‘ bekommt das Buch dadurch, dass alle Erzählungen auf wahren Begebenheiten beruhen. Dies wissend, muss man manchmal schlucken beim Lesen.

Hier soll jetzt inhaltlich nicht auf die einzelnen Kapitel eingegangen werden, denn das tat Arne Hoffmann bei „Genderama“ schon ausführlich und selbsterläuternd.

Persönlich bleibt nur zu sagen, dass die oben genannten Sorgen und Nöte – aber auch (und vor allem) die Stärken und Alleinstellungsmerkmale von Männern in diesem Buch in einen Block voll Informationen gegossen wurden, den es sich für jeden zu lesen lohnt. Der Stil ist gut, die manchmal aufzwinkernde Ironie auch, denn das Buch liest sich flüssig – bzw. ist erkenntnisreich geschrieben. Eine Aufklärung jenseits der Belletristik und dennoch einem Sachbuch nicht unähnlich.

Ein Indianer kennt keinen Schmerz und ist dennoch verletzlich

Wer gerne Cowboy und Indianer gespielt hat, der sollte sich dieses Buch besorgen:

„Verwundbar sind wir und ungestüm“
Erzählungen aus der unsichtbaren Welt der Männer
Gunnar Kunz, 2014

Und wer beim Indianer gerne die Squaw war, der (oder die) sollte es in jedem Fall auch lesen – und damit anfangen können, zu verstehen.

PS & Persönliches: Das Buchcover gefällt mir gut. Es erinnert nicht nur an den „invisible Man“ (den unsichtbaren Mann), sondern zeigt auch die Nichtwahrnehmung dieses durch unsere Gesellschaft auf.

Im Zeitalter weiblicher Selfies:

– ist es etwas Besonderes.

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