Heute ein Gastartikel von Andreas Puderbach, welcher hier schon des öfteren lesenswerte Kommentare schrieb, die es in sich hatten und haben.

Dem Beitrag soll nun nicht vorgegriffen werden – aber es erinnert an diesen, neulich hier veröffentlichten: „DIY für Männer: Einsargen

Letztendlich unterstreicht er diesen auch, und zeigt die Bigotterie unserer Kirche, dieser ‚geliebten‘ und „besten Bundesregierung aller Zeiten“ (Merkel /Schwesig /Nahles /Gabriel /Maas), der ‚besseren‘, weil anderen Form der Bestattung – sowie dem verkrampft wirkendem Schreiben in den Medien über die s.g. „Starke Frau“ im Namen der Quote auf. Halleluja:

Kirchliche Frauen jetzt unter Bewaffnung?

Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss haben in Deutschland die Kirchen. Und sie sind ständig auf der Suche nach passender und glaubwürdiger Umgestaltung, denn ihnen laufen die „Mitglieder“ weg. Die katholische Kirche gilt eher als traditionell und versucht Althergebrachtes irgendwie in die Moderne zu retten, womit sie immer wieder entsprechende Schwierigkeiten hat.

Die evangelische Kirche hat es mit der Modernisierung irgendwie etwas leichter. Vielleicht erwartet man das auch von „Protestanten“. Irgendwie passen sie wohl besser in den „Mainstream“. Vielleicht nimmt man deren Vertreten des Übersinnlichen auch nicht so wahr, weil es manchmal ein wenig untergeht, wenn es Neuigkeiten vom Himmel und aus dem Vatikan gibt und die Konkurrenz aus Rom wieder von sich reden macht.

Allerdings hat die Konkurrenz aus Rom zugelegt. Der neue Papst ist durchaus ein Sympathieträger und ich muss als Nicht-Katholik sagen, das ist wohl das erste Mal, das mir dies über die Lippen kommt.

Und dann gibt es da noch die unterschiedlichen Ansichtsweisen über Familie und deren Zusammensetzung.

Und unsere Protestanten sind da sehr progressiv. Familie kann man wunderschön aufdröseln um sie, wie gewünscht, neu zu konstruieren. Je nachdem wer in welche Schublade soll und so dem gewünschten Gesellschaftsbild und seiner Rolle zu entsprechen hat. Und die neue Rolle der Frau soll auch hier Beachtung finden, sind doch eine Masse der Schäflein logischerweise auch weiblichen Geschlechts.

Nur, wo soll die Reise eigentlich hin gehen? So fiel mir die Tage ein Gemeindebrief der evangelischen Kirche in die Hand, die bei meinem befreundeten Bäcker auslag.

Auf Seite 4 fand ich einen Artikel mit der Überschrift „Stärkung für den Glauben“. Darüber ein Foto. Eine Frau und Mutter hält ihr kleines Kind schmusend im Arm. Einen Vater sieht man nicht. Auf Seite 8 geht’s dann weiter mit: „Der Winner Frauenkreis geht in die Sommerpause“. Auch o.k. Warum soll es keinen Frauenkreis geben? Es gibt ja auch Stammtische.

Auf dem Foto darunter sehe ich viele Seniorinnen, die sich zum geselligen Beisammensein regelmäßig treffen und das ist schön so. Auf Seite 10 folgt ein Artikel „Neue Zeit für Gott“. Auf dem Titelfoto: Zwei spielende Mädchen. Jungen sieht man nicht…

Weiter geht’s auf Seite 14 und jetzt wird es spannend: „Frauenfrühstück“ steht da und Zitat:

„…Gut gestärkt widmeten wir uns dann dem Thema: „Mit den Waffen einer Frau?“ Handlungsstrategien biblischer Frauen“.

Und weiter: „Welches Bild entwirft die Werbung, wie sehen die Waffen einer Frau dort aus? Um dies auch visuell deutlich zu machen, gab es einen „Waffenbaum“, an den sie die vermeintlichen und wahren „Waffen“ aufhängte. Lippenstift, Higheels, Strümpfe, BH und Tanga. Frau X las dazu einen Werbetext einer großen Kaffeerösterei, die auch gerne Kleidung verkauft:

„Anschmiegsame Wäsche und Accessoires, die die besten Seiten der Frau gezielt betonen, gehören einfach in jede Waffenkammer, pardon jeden Kleiderschrank. Pflege deine Ausrüstung.“

Damit meinen die Kaffeeröster einen Magic-push-up-BH und der Undercover-Agent fürs perfekte Outfit ist ein Stringtanga. 007 würde vor Freude hüpfen, aber das wäre jetzt schon wieder zu Sexistisch…

Schauen wir weiter, was der philosophische Erguss der Hüterinnen der Waffenkammer noch weiteres für uns im Gemeindebrief bereithält:

In der Werbung dienen die Waffen einer Frau einzig dazu, einen Mann einzufangen und rumzukriegen. Frauen agieren dort indirekt, haben nur ihren eigenen Körper als Kapital, haben keine Eigenmacht. Dort gibt es nicht die erfolgreiche berufstätige Frau, die Frau die etwas Eigenständiges schafft, deren Waffen ihre Fähigkeiten sind…“

Ich darf unterstellen, dass eine Frau, die sich Fähigkeiten angeeignet hat, sich heute nicht mehr reduzieren lässt auf ihren Push-Up-BH und die Werbung den Gesetzen des Marktes folgt und lediglich in diesem Fall Frauen animieren möchte, eben dieses Produkt zu kaufen. Mehr nicht.

Aber ich lasse mich ja gerne belehren. Aber nun müssen die Waffen auch raus gekramt werden! Und da lernen wir:

„…Es fehlten auch nicht das Symbol der Waageals. Hinweis auf das Richteramt der Debora, das Schwert, mit dem Judit den Holofernes köpfte und der Pflock, den Jael in das Haupt des Sisera schlug. Dies hört sich nicht wie Friedfertigkeit an und diese Handlungen schreiben wir eher Männern zu.“

Dieser Hinweis auf die bösen Männer durfte natürlich nicht fehlen und hat man sich schon in der Mystik und den Tiefen der Religion beim frühstücken verloren, so muss solch gruselige Gewalttat natürlich negiert werden, denn das Weibliche hat immer ein ehrvolles Motiv:

Die Taten dieser Frauen waren wohl überlegt und vorbereitet, sie dienten dazu, ihr Volk zu retten, und waren keine persönlichen Racheakte, Frauen der Bibel und Frauen heute stehen ein für ihre Familien, schützen, was ihnen anvertraut ist, und gehen mutig ihren Weg, wissend um den Beistand Gottes. Mit einem Gebet, verabschiedete Frau X die Frauen. Angelehnt an die jüdische Tradition, Gott täglich für die Erschaffung als Mann zu danken, dankten wir für die Erschaffung als Frau.“

Nun, ich danke in Teilen auch für die Erschaffung der Frauen, aber unter dieser Bewaffnung und Relativierung frühgeschichtlicher weiblicher Gewaltexzesse überlege ich mir dann wohl doch, ob die evangelische Kirche für meine Ansinnen noch der richtige Ansprechpartner ist. Wohl eher nicht.

Nun sind wir auch schon am Ende unseres „Gemeindebriefes“ angelangt. Auf Seite 15 natürlich noch der Hinweis auf den „Frauenmarktplatz“ der zur Inspiration, Begegnung und Vernetzung einlädt. Meinetwegen gerne, aber bitte nur mit Waffenschein und behördlicher Genehmigung.

Man finde die ‚Rohrkrepiererin‘ im Bild …

Aber eine Frage darf zum Schluss erlaubt sein:

  • Wo sind die Artikel über die „Familie“, die doch schon in der Bibel eine außergewöhnlich hohen Beachtung erfahren darf.
  • Wo die über Jungen, die in unserem Bildungssystem benachteiligt werden, wo die der arbeitenden schaffenden Väter, die mit ihrem Gehalt immer noch – und statistisch aktuell belegt – für das Grundeinkommen ihrer Familie sorgen?
  • Soll ich mich jetzt diskriminiert fühlen? Nein, so kapriziös bin ich als Mann dann doch nicht. Aber angesprochen fühle ich mich auch nicht. Soll wohl auch nicht so sein.

So werde ich nun weiterhin für meine beiden Töchter, die ich seit drei Jahren unter mütterlichem Zutun nicht mehr gesehen habe, den Unterhalt zahlen, mich um meinen Sohn kümmern, der aus der zweiten Partnerschaft hervor ging und mich nach Abschluss meiner heutigen Schreiberei noch ein wenig dem Haushalt widmen.

Liebe evangelische Kirchengemeinde:

Meine Frau ist berufstätig. Wir teilen uns die Hausarbeit. Sie definiert sich nicht über ihre Kleidung, sondern über ihre Leistung und ja, sie trägt auch diese BHs und es gefällt mir! Wie schrecklich. Während Sie auf ihren Treffen über Bewaffnung schwafeln, hat sie in ihrer Freizeit einem bedürftigen und durch das soziale Netz weitgehend gefallenen Menschen geholfen und ist ganz ohne Quote zu einer guten Anstellung gekommen. Können Sie sich das vorstellen?

In diesem Zusammenhang fällt mir ein, dass es Zeit wird das Buch von Birgit Kelle endlich zu lesen: „Dann mach doch die Bluse zu!“

Und würde ich mich über eine Werbung tatsächlich ärgern, dann vielleicht die der „Cosmos-Direkt-Versicherung“ aus dem Jahre 2007:

Tochter: „Du, Mami. Wenn Papa tot ist, kaufe ich mir meinen eigenen Ponyhof.“

Die Werbung wurde dann tatsächlich aufgrund öffentlicher Kritik zurückgezogen. Macht sie aber doch klar – wie so viele andere Werbungen auch – dass das Männerbild wohl einer entsprechend anständigen und nicht-sexistisch-diskriminierenden Weise des Umgangs seitens der Gender-Experten und Protestanten-Oberen (Entschuldigung: Oberinnen) nicht unterworfen werden darf.

Aber jetzt wissen Sie wenigstens, wo scheinbar der Fokus der evangelischen Kirche liegt.

Weshalb auch, sollte man Rücksicht üben auf die Befindlichkeiten des männlichen Geschlechts? Findet sich doch dieser Tage im hiesigen Gemeinde-Wochenspiegel wieder ein regelrechtes Bombardement weiblicher guter Eigenschaften, die nahezu penetrant beworben werden.

Da findet sich von einer Künstlerin namens Marlen Seubert eine Ausstellungseröffnung im „Haus der Kultur“ in dem sie ihre Werke zum „internationalen Tags, Nein zu Gewalt an Frauen“ ausstellt. Und da lesen wir:

„…Seubert berichtete unter anderem auch, wie sie zu dem besonderen Material Haut gekommen ist, das sie seit vielen Jahren für ihre Arbeit verwendet…“

Wir lesen nicht, wessen Haut das war oder wo diese her kommt. Ich hoffe nicht, dass sie ihren männlichen Nachbarn skalpiert oder gar vollständig gehäutet hat, sondern sich etwas friedfertiger benahm als die oben erwähnte Judit mit ihrem Schwert.

Eine Seite weiter gibt’s die entsprechend große Anzeige mit Rufnummer des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“. Aber selbst hier gibt es Grund zum Schmunzeln, traut sich der Mann noch aus seiner Deckung herauszukommen:

„Das Angebot richtet sich aber auch an Angehörige von Betroffenen sowie an Fachkräfte wie Ärzte, Lehrer oder Sporttrainer, die sich beraten lassen können, z.B. wenn eine Patientin, Schülerin oder Sportlerin in ihrem Umfeld von Gewalt betroffen ist oder es zu sein scheint.

… oder es zu sein scheint. Na da wollen wir doch hoffen, dass es vor dem Schwerthieb wenigstens noch ein vernünftiges Verfahren gibt, wenn jemandem etwas scheint…

„Frauen bestatten anders“

Nun, da ja die Damenwelt nunmehr per Quote die Chefsessel zu erobern gedenkt um sich in der Welt der Männer zu beweisen, scheinen manche darüber hinaus nun auch etwas morbid zu werden und interessieren sich für eine besonders weibliche Art des Todes. Denn auch dieser stellt sich nicht mehr frei vom Geschlecht, sondern unterwirft sich nun den positiven und sich von den Männern abhebenden Eigenschaften des weiblichen Geschlechts. Das muss er wohl, denn das beiliegende Hochglanzprospekt im Gemeindeblättchen einer Bestattungsfirma erklärt uns abschließend, wie wichtig es ist, von einer Frau begraben zu werden: „Frauen bestatten anders“

Das muss man zu Lebzeiten auf sich wirken lassen! Nichts desto trotz, wird dies natürlich zum Schein hinterfragt auf Seite 2:

Bestatten Frauen anders?

So lesen wir: „Meine Hilfe lebt vor allem von Anteilnahme und Einfühlsamkeit und geht weit über die zuverlässige Ausführung der Beerdigung hinaus…“

Boarr! Als Fan alter Western wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ in dem ein kantiger Totengräber die Leichen schlechter Schützen aufsammelt, wird’s mir dann hier so kurz vor Weihnachten doch noch ganz heimelig zumute.

Also Jungs: Auf in die Kirche! Schaut Euch Judit mit dem Schwert an, Ihr Gewaltbereiten, und macht Euch keine Gedanken mehr! Wenn die Judit mit dem Ding auch noch richtig umgehen kann, gibt’s wenigstens aus dem Frauenbataillon heraus, auch eine anständige Beerdigung. So richtig mit Einfühlsamkeit und so.


Anmerkung: Die Bilder und das Video wurden nicht vom Autor eingebunden, sondern vom Blogbetreiber eingefügt –  und sind somit subjektiv eingebracht.

Kirchenaustritte aktuell: 200.000 / Jahr
– wohl nicht nur steuerlich bedingt …

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