In der FAZ rezensiert Antonia Baum das Buch „Tussikratie“ und sinniert über den „Feminismusangriffstitel“, kommt dann aber zu ‚überraschenden‘ Erkenntnissen, welche man übrigens, eins-zu-eins, auch für Männer bekommen könnte:

Big Sister weiß, was gut für dich ist

[..]Es stimmt etwas nicht mit der Feminismusdebatte

Diese überhaupt nicht antifeministischen, sondern kapitalismuskritischen Fragen führen zu einem nächsten zentralen und wirklich unerträglichen Punkt, den das Buch thematisiert: Die Diskursherrschaft von Feministinnen (sie nennen sie „Tussis“, „Diskurspolizei“ oder „Big Sister“), von Menschen also, die für sich in Anspruch nehmen zu wissen, wie man als Frau heute zu sein hat. Beim Sex, im Umgang mit dem Freund oder Mann. Und was man zu wollen hat, und das ist gegenwärtig auf keinen Fall eine Teilzeitstelle, sondern eine krasse Karriere. Ferner muss man eine bestimmte Meinung haben zum Gender-Pay-Gap, zu Sexismus und zur Kinderbetreuung, sonst fliegt man sofort raus

Interessant dabei ist, dass sich sukzessive mehr und mehr Frauen mit dem monotonen und recht widersprüchlichen Schemas des ‚Opfer und Forderungen‘ zu beschäftigen scheinen. Schade ist, dass im Buch Männer- und Väterrechtler z.B. immer noch in eine teils üble Ecke gestellt werden. So, wie es exemplarisch auch der heutige Tatort zum Ostermontag aufzeigt, welcher eine tote Mutter mit drei Kindern von jeweils ebenso vielen – und verschiedenen Vätern zum Thema hat.

Aber zurück zur Literatur: Wer sich dennoch für das Buch interessiert, dem sei vorher die ausführliche und lesenswerte Kritik vom Autoren Arne Hoffmann definitiv ans Herz gelegt.

Neues Buch fragt: Leben wir in einer „Tussikratie“?

Das Buch „Tussikratie“ der beiden jungen Journalistinnen Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling ist eine faszinierende Erscheinung: Es erinnert mich an eine über weite Strecken großartige Symphonie, die mit jedem Satz brillanter wird, bis sie urplötzlich in schrille Missklänge übergeht [..]

[..] die Herablassung, mit der Knüpling in ihrem offenen Brief von Maskulisten (Männerrechtlern) spricht, [kann] nur befremden – insbesondere angesichts der Tatsache, dass die darin ausgedrückte Haltung völlig konträr zum Rest des Buches steht.

Und wer dann, und anschließend, noch das nabelzentrierte Interview einer alteingesessenen Frauenzeitung mit den beiden Autorinnen lesen will, der kann dies mit „Brigitte“ und „übertreiben wir es mit dem Feminismus?“ recht  schnell und leicht ‚ergooglen‘. Im Kommentarbereich kann man dann übrigens auch teilweise entlarvende Meinungen von ‚Krampfmanzen‘ lesen, welche wohl augenscheinlich ihren persönlichen Frust abladen oder die s.g. Medienmeinungen nachplappern bzw. solche, welche wahrscheinlich irgendwo in den 70ern hängen geblieben zu sein scheinen.

Nachtrag: „Der Geschlechterkampf als Selbstgespräch
man tau“ über Selbstbefruchtung und -überhebung

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