In einem fast schon satirisch anmutendem, sarkastisch klingendem und dennoch authentischem Beitrag der „Welt“, schreibt Robin Alexander über den ‚real existierenden‘ Parlamentarismus in unserem Bundestag. Pointiert und (aus meiner Sicht) mutig für eine Zeitung, kommen hier ein paar Dinge auf den Punkt, die mir in den letzten zwei Jahrzehnten auch schon aufgefallen sind:

Wie aufgeklärt, wie freundlich, wie langweilig

Die Generaldebatte im Bundestag gerät so weiblich wie noch nie. Die Frauen in Führungspositionen beharken sich kaum. Und der einzige Mann am Rednerpult ist nach einer Affäre kleinlaut geworden.

Ich zitiere einfach ein, zwei Absätze aus diesem, sehr lesenswerten Artikel:

„Am Mittwoch war wieder Generaldebatte, aber keine Generalabrechnung. Sondern eine Generalinnenabrechnung, wenn überhaupt. Es sprachen nämlich Katja Kipping, Angela Merkel und Katrin Göring-Eckardt. Die beiden Oppositionsführerinnen und die Kanzlerin, drei Frauen, sogar drei ostdeutsche Frauen, die sich in bekanntlich von bösen alten weißen Männern aus dem Westen dominierter Politik durchgesetzt haben. Also lauschte man ihren mit ruhigen Stimmen sachlich vorgetragenen Argumenten, wog ihre konstruktiven Detailkritiken und dachte sich: Wie modern, wie aufgeklärt, wie freundlich, wie weiblich ist deutsche Politik geworden – und wie langweilig!“

Persönlich habe ich mich schon des öfteren gefragt, ob diese Entwicklung eine gute war – in dieser Form bzw. wie es damals seit 1989 ablief und was es an gesellschaftlichen Veränderungen mit sich gebracht hat, als sie, jene Wi(e)dervereinigung kam. Damit man mich nicht missversteht: Es ist gut, dass es diese schlussendlich gegeben hat – aber in der aktuellen Form gleicht es wohl eher einer Implosion, die keinem der beiden Seiten die Möglichkeit gab, sich autark auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen. Aber ich will hier keine Politik-Diskussion anzetteln. Dennoch fällt es -nicht nur mir- auf, dass es seit dieser Implosion ein Erstarken feministischer und genderistischer Tendenzen gegeben hat, welche imho nicht gut gewesen waren und sind.

Was waren das noch für Zeiten, als sich Wehner und Strauß Rededuelle lieferten; um anschließend ein Bier trinken zu gehen. Das nannte man dann gerne Männerbünde und nun kreischt man über die ‚Gläserne Decke‘, deren Nichtvorhandensein heute in der Politik aktuell dargestellt wird. Dieses Land strotzt vor Problemen und unsere Politikerinnen spielen Streichelzoo …

Dazu passt übrigens auch, dass sich unsere Verteidigungsministerin mal berufen fühlte, sich (sinngemäß) eine „parteiübergreifende Koalition der Frauen“ zu wünschen. Nun ja, es scheint so, als wäre dieses bereits zur Realität geworden. Aber wie auch immer:

„Bevor die nächste Rednerin ans Pult geht, bricht der Reporter auf. Er muss den Text schnell fertig schreiben, denn heute holt er die Kinder von der Schule. Sollte er dabei von der Klassenlehrerin wieder darauf hingewiesen werden, dass sein Sohn in der Klasse stört, Witze macht, Widerworte gibt und seinen Nachbarn schubst, wird er ihn diesmal ausnahmsweise nicht ermahnen, sich besser in die Gemeinschaft einzufügen. Sondern ihm ein Eis kaufen. Ein sehr großes Eis.“

Und ich lege übrigens und gerne dem jungen Nachwuchs des Autors noch eine Waffel dazu.

Advertisements